Neujahrsempfang im Ortsamt Osterholz

So viele Anmeldungen hatte es bei einem Neujahrsempfang in Osterholz noch nicht, berichtete Ortsamtsleiter Ulrich Schlüter.

Die zweite Auflage im neuen Sitzungssaal des Ortsamtes im Schweizer Foyer verzeichnete eine Vielzahl von Teilnehmer:innen aus Politik, Wirtschaft, Vereinen, Schulen und Behörden. Der Neujahrsempfang dient zum einen dazu, allen Teilnehmenden für ihre Arbeit im vergangenen Jahr zu danken. Nur durch dieses Netzwerk entsteht ein gutes Miteinander der unterschiedlichsten Akteure in einem großen Stadtteil wie Osterholz.

Besonders hervorzuheben ist die Arbeit der Ehrenamtlichen, die durch ihren Einsatz über das gesamte Jahr hinweg den Zusammenhalt im Stadtteil erst möglich machen. Aber auch den großen Arbeitgebern wie dem Weserpark, dem KBO und Mercedes gilt der Dank, da nur gut bezahlte Arbeit ermöglicht, am gesellschaftlichen Leben teilzuhaben.

Für ihr Engagement im Stadtteil wurden H.-P. Jakst (Aktiv für Osterholz) und Frank Weber vom Kinderbauernhof Tenever geehrt. Herr Weber hat sich nach der Insolvenz von Petri & Eichen erfolgreich für die Weiterführung des Kinderbauernhofes eingesetzt. H.-P. Jakst ist seit annähernd 40 Jahren Geschäftsmann im Schweizer Viertel und als ehemaliger Leistungssportler ein Aushängeschild – nicht nur für den Stadtteil Osterholz, sondern auch für Aktiv für Osterholz.

In den Grußworten ging der Ortsamtsleiter auf die schwierige Gesamtsituation in Deutschland sowie auf die Situation vieler Geflüchteter in den Quartieren ein. Beiratssprecher Wolfgang Haase erinnerte an den erfolgreichen Umzug des Ortsamtes in das Schweizer Foyer und wünschte sich dringend eine WLAN-Möglichkeit im Sitzungssaal. In seiner Laudatio bedankte er sich bei Herrn Jakst für dessen vielfältigen Einsatz im Stadtteil und wünschte ihm für den Ruhestand alles Gute.

Doris Achelwilm, Bundestagsabgeordnete der Linken, ging auf bundespolitische Themen ein und mahnte Änderungen des Erbrechts an, um durch zusätzliche Steuereinnahmen auch ärmeren Schichten mehr Möglichkeiten zur Teilhabe am öffentlichen Leben zu geben. Gleichzeitig bedankte sie sich bei den Kommunalpolitiker:innen aus dem Beirat für ihren Einsatz im Stadtteil Osterholz.

Aufgrund der großen Resonanz wird es im nächsten Jahr erneut einen Neujahrsempfang geben, sofern der Beirat die entsprechenden Mittel freigibt. Das Netzwerken bei einer solchen Veranstaltung ist wichtig für ehrenamtlich Engagierte, aber auch für Vertreter:innen etwa der Freiwilligen Feuerwehr, des THW und der Polizei, die das gesamte Jahr über für Sicherheit im Stadtteil Osterholz sorgen.

Ortsamtsleiter fordert mehr Mitbestimmung für Beiräte

Der Ortsamtsleiter Ulrich Schlüter blickte vor Gästen aus Politik, Verwaltung, Wirtschaft, Vereinen und Kirchen auf ein bewegtes Jahr zurück und sprach zugleich über aktuelle gesellschaftliche und politische Herausforderungen.

In einem persönlichen Einstieg berichtete Schlüter von einem Notizheft seiner Mutter aus dem Jahr 1943, in dem Luftangriffe während des Zweiten Weltkriegs festgehalten sind. Diese Erinnerungen seien für ihn angesichts heutiger internationaler Krisen bedrückend aktuell. Weltpolitische Konflikte wirkten sich auch auf das Lebensgefühl der Menschen in Bremen und in den Stadtteilen aus.

Kritik an eingeschränkten Rechten der Beiräte

Schlüter bezeichnete das Jahr 2025 für den Stadtteil als schwierig. In Beirat und Ortsamt habe es zahlreiche intensive Debatten gegeben. Dabei werde immer wieder deutlich, dass Bürgerinnen und Bürger zwar gehört würden, Entscheidungen jedoch auf anderen Ebenen fielen. Der Ortsamtsleiter forderte daher mehr echte Entscheidungsbefugnisse für die Beiräte. Eine bloße Anhörung reiche nicht aus, um Politik näher an die Menschen zu bringen.

Besonders kritisch äußerte er sich zu geplanten Änderungen bei der Beteiligung der Stadtteile an der Vergabe von Mitteln für die offene Jugendarbeit. Diese stellten aus seiner Sicht einen Rückschritt dar.

Rückblick und aktuelle Ereignisse

Schlüter erinnerte an positive Ereignisse wie das 35-jährige Bestehen des Weserparks, das 75-jährige Jubiläum der Siedlergemeinschaft Kuhkamp sowie das 16. Ellener Dorffest. Gleichzeitig sprach er problematische Vorfälle am Spielhaus in Tenever zum Jahreswechsel an, bei denen Einsatzkräfte angegriffen und beleidigt wurden. Er kündigte an, sich persönlich an Gesprächen vor Ort zu beteiligen, um gemeinsam mit Einrichtungen und Bewohnern Lösungen zu erarbeiten.

Ausblick auf 2026

Für das laufende Jahr nannte der Ortsamtsleiter mehrere wichtige Themen, darunter den geplanten Neubau einer Feuerwehr in Verbindung mit Schulstandorten, die mögliche Straßenbahnverlängerung sowie die Stärkung der Städtepartnerschaften mit Bützow und Izmir-Gaziemir. Zudem rief er dazu auf, demokratische Werte aktiv zu verteidigen und sich klar gegen rechte Tendenzen zu positionieren.

Zum Abschluss dankte Schlüter allen Engagierten im Stadtteil – von Schulen, Kitas und Jugendeinrichtungen über Pflegeeinrichtungen bis hin zu Polizei, Feuerwehr, Vereinen, Kirchen und Unternehmen – für ihren täglichen Einsatz. In Anlehnung an ein Zitat des Musikers Albert Schmitt betonte er, dass Veränderungen nur gelingen, wenn Menschen Verantwortung übernehmen und ihre Stärken einbringen. Anschließend übergab er das Wort an Beiratssprecher Wolfgang Haase.

Die Rede des Ortsamtsleiter Ulrich Schlüter: