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KulturAmbulanz
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Neu gestaltetes Labor für inklusive Projektarbeit am Krankenhaus-Museum.

Was geht in meinem Kopf vor? Wie fühle ich mich heute? Fragekärtchen hängen an der Wand – dazwischen zahlreiche Spiegel. Selbstreflexionen bereiten auf die Themen des Krankenhaus-Museums vor. Freundlich gestaltete Sitzbänke laden zum Verweilen und Diskutieren ein. Das Krankenhaus-Museum, das vor allem die Geschichte Psychiatrie beleuchtet, hat ein neues Labor eingerichtet, dass den Forschergeist von Besuchergruppen anregen soll und dazu ermuntert, sich mit einzelnen Themen intensiver zu beschäftigen. Im kleinen hellen Laborraum trifft man sich für eine erste Einführung oder um einen Dokumentarfilm über das Klinikum Ost zu schauen – und dann kommen die Koffer zum Einsatz.

Zehn gibt es, fünf ganz verschiedene Themen stecken in ihnen.

Heute ist eine Klasse der Bildungsakademie der Gesundheit Nord zu Gast. Angehende Gesundheits-und Krankenpflegerinnen informieren sich über Pflegegeschichte und die Vergangenheit der Psychiatrie am heutigen Klinikum Bremen-Ost, an dem die KulturAmbulanz und damit auch das Krankenhaus-Museum angesiedelt sind. Sie erfahren, dass das Herzstück der alten psychiatrischen Anstalt ein Bauernhof war, sie lesen über damalige Behandlungsansätze und das dunkle Kapitel des Nationalsozialismus. Aber dabei bleibt es nicht.

Labor inklusive Projektarbeit
Labor inklusive Projektarbeit
Labor inklusive Projektarbeit
Mithilfe der Koffer können die Schülerinnen und Schüler nun auch selbst aktiv werden. Im Labor bekommen immer zwei von ihnen einen Koffer ausgehändigt. Darin stecken Materialien zu einzelnen Themen aus der Ausstellung. Zwei Schülerinnen bauen beispielsweise aus verschiedenen Holzelementen einen Zwangsstuhl nach und erfahren in dem in klarer Sprache verfassten Begleitheft die Hintergründe über Fixierungen und Behandlungsmethoden in der Psychiatrie einst und jetzt. Persönliche Fragen schaffen darüber hinaus Raum für eigene Gedanken.

Ein anderes Team beschäftigt sich derweil mit drei Biographien aus der Zeit des Nationalsozialismus, ein weiteres assoziiert zum „Tintenklecks-Test“ von Rorschach, der zu Beginn des 20. Jahrhunderts eine wichtige Rolle bei der psychologischen Befragung spielte.

Wie sehen die Flecken aus? An was erinnern sie und führen sie eher zu positiven oder negativen Bildern im Kopf? Zu allen Themen gibt es neben den Begleitheften auch einen Fragebogen – die Antworten sind in der Ausstellung zu finden.

Am Ende stellen alle Teams ihre Ergebnisse im Laborraum in großer Runde vor. Die Reaktionen sind positiv. „Die Koffer machen einen neugierig und es ist immer schöner, wenn man selbst etwas entdecken und aktiv sein kann“, sagt eine Schülerin.

„Die Themen der Koffer sind für Kinder ab der sechsten Klasse geeignet und bieten bis ins Erwachsenenalter interessante neue Zugänge zum Beispiel zur Frage „Wie denkt und fühlt der Mensch?“, sagt Achim Tischer, Leiter der KulturAmbulanz. Er hat das Labor-Projekt auf den Weg gebracht, um neben Führungen, Schulprojekten und Aktionen ein umfassendes museumspädagogisches Angebot für alle Altersstufen machen zu können.

Den Inhalt hat die Bremer Kulturwissenschaftlerin Gerda Engelbracht erarbeitet, die sich mit vielen Publikationen zur Geschichte der Bremer Psychiatrie einen Namen gemacht und bereits für das Bremer Landesmuseum den Aktionsraum Fockes Labor entwickelt hat.

„Um Inklusion leben zu können, bedarf es altersgerechter und weitgehend barrierefreier Angebote“, sagt sie. Dass dieses sehr gut geht, können interessierte Gruppen und Schulklassen nun im neuen Labor erproben.

Weitere Infos und Anmeldemöglichkeiten gibt es unter der Bremer Telefonnummer 408 1757 oder auf der Homepage der KulturAmbulanz www.kulturambulanz.de.

Unterstützt wurde das Krankenhaus-Museum bei der Realisierung des Projektes von der Stiftung Dr. Heines, dem Freundesverein des KBO, dem Beirat Osterholz, von Wohnen in Nachbarschft (WiN) und dem Kulturverein Haus im Park.