Friederike Apel und André Rulfs

 

Kaum zu glauben, dass es das St. Petri Waisenhaus schon seit 1692 gibt. Inzwischen ist daraus die St. Petri Kinder- und Jugendhilfe geworden. Zahlreiche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter arbeiten für die gute Sache. Die neueste Errungenschaft ist das „Orange House“, in dem Kinder und Jugendliche kreativ sein können.

Als wir unser Gespräch geplant haben, kamen wir damit in eine Überganszeit hinein. Friederike Apel, die langjährige Geschäftsführerin von St. Petri, übergab gerade den Staffelstab an ihren Nachfolger André Rulfs. Ein guter Grund, unser Interview diesmal mit zwei Menschen zu führen, fanden wir. Und so lernen Sie in diesem Interview mal zwei Menschen kennen.

BORiS: Was gefällt Ihnen in Osterholz?

André Rulfs: Ich mag die Vielfalt, die verschiedenen Teile: das urbane Tenever, das grüne Alt-Osterholz, die Feldmark. Der Weser-Park bietet allen ein großes Angebot und ersetzt schon mal einen Besuch in der Innenstadt. Ich mag auch die kulturelle Vielfalt, die die vielen verschiedenen Nationalitäten hierher bringen.

Friederike Apel: Mit gefällt auch, dass Osterholz so bunt ist, ich mag die Vielseitigkeit. Ich finde es toll, dass sich so viele Menschen hier aktiv mit dem Stadtteil auseinandersetzen. Osterholz hat wunderschöne alte Bäume und alte Höfe. Friedhof und Klinikgelände bieten viel Natur, es gibt schöne alte Landstraßen. In Tenever sind die Bewohnerinnen und Bewohner richtig gut vernetzt. Es gibt gute Angebote für junge Familien, gute Schulen. Die Stadtteilversammlung muss man erlebt haben. Das ist gelebte Demokratie. Alles in allem finde ich Osterholz wunderbar lebendig.

BORiS: Was würden Sie in Osterholz ändern, wenn Sie könnten?

André Rulfs: Ich würde dafür sorgen, dass die vorhanden Grünflächen erhalten bleiben und nicht, wie geplant, bebaut werden.

Friederike Apel: Ja, die Feldmarkt würde ich auch erhalten. Außerdem würde ich die Osterholzer Heerstraße beruhigen. Sie dient oft als Autobahn-Umgehung und viel zu stark belastet. In Tenever würde ich eine große Markthalle mit bezahlbaren Angeboten aus vielen verschiedenen Ländern gut finden. Die Osterholzer Landstraße müsste belebt werden. Hier verschwinden viele kleine Geschäfte. Und dann würde ich gerne die Gaststätte beim Schimmelhof wieder belebt sehen. Das war immer ein schönes Ausflugsziel.

BORiS: Was ist Ihnen besonders wichtig?

André Rulfs: Respekt, Wertschätzung und Toleranz gegenüber anders Denkenden. Für mich ist ein gutes Miteinander sehr wichtig. Dazu gehört auch eine gute Streitkultur.

Friederike Apel: Mir ist wichtig, Zeit zu haben, um andere Menschen gut wahrnehmen zu können. Dann kommt die Toleranz von ganz alleine. Ich finde es wichtig, dass wir es schaffen, andere Menschen vorurteilsfrei kennenzulernen.

BORiS: Womit beginnt Ihr perfekter Tag?

Friederike Apel: Mit einer Tasse Kaffee am Bett und dabei lesen. Ich mag es, den Tag früh zu starten und das Erwachen des Tages zu erleben. Unser Gelände hier ist morgens, wenn die Sonne aufgeht, unbeschreiblich schön.

André Rulfs: An meinem perfekten Tag scheint die Sonne und es ist warm. Es gibt ein schönes Frühstück, Zeit für Sport und Gute-Laune-Musik aus dem Radio.

BORiS: Was lesen Sie gerade?

André Rulfs: Ich lese gerade „Das Paket“ von Sebastian Fitzek.

Friederike Apel: Ich lese gerne Krimis und Bücher über andere Kulturen. Zurzeit lese ich „Die Nebel von gestern“ von Leonardo Padura. Das ist ein Krimi, der auf Kuba spielt.

BORiS: Gibt es einen aktuellen Lieblingsfilm und Lieblingsmusik?

Friederike Apel: Ich mag Krimi-Serien wie Inspektor Barnaby. Im Bereich Musik gefällt mir Jazz, Rock und manchmal auch Oper.

André Rulfs: Ein Lieblingsfilm fällt mir spontan nicht ein. Musik mache ich selbst, ich spiele Schlagzeug. Zusammen mit einigen anderen mache ich gern Rockmusik.

BORiS: Welches Land fasziniert Sie und warum?

Friederike Apel: Spanien, insbesondere Andalusien. Hier ist der afrikanische Einfluss sichtbar, und die Einwohner haben sich damit sehr lebendig auseinandergesetzt. Es gibt wunderschöne Städte und viel Natur zum Wandern.

André Rulfs: Mich fasziniert kein besonderes Land, mehr die Möglichkeit, andere Kulturen kennenzulernen. Das finde ich zum Beispiel in Nordafrika, aber auch Asien interessiert mich. Ich mag auch Camping-Urlaub in Europa. Aber es sollten Länder sein, in denen es warm ist.

BORiS: Was würden Sie gerne mal tun?

André Rulfs: Ich würde gerne mal über die Alpen wandern.

Friederike Apel: Vielleicht einmal durch Deutschland wandern.

BORiS: Haben Sie ein Lieblings-Zitat oder eine Lebensweisheit.

Friederike Apel: Ich habe zwei Leitsätze – beide sind von Virginia Satir: „Menschen versuchen, zu 95 bis 98 Prozent ihrer Zeit zu tun, was sie können“, und „Veränderungen und Wachstum sind Prozesse. Man muss nicht alles an einem Tag erledigen“.

André Rulfs: Kein bestimmtes Zitat. Meine Lebensweisheit ist, dass es für alles eine Lösung gibt. Geduld und Ausdauer finde ich auch wichtig.

BORiS: Mit wem würden Sie gerne mal einen Tag lang tauschen?

Friederike Apel: Mit einem Schiffsführer auf einem kleinen Kahn auf der Weser oder auf dem Mittellandkanal.

André Rulfs: Mir fällt keine bestimmte Person ein. Es müsste jemand sein, der etwas komplett anderes als ich tut.

BORiS: Was machen Sie nach einem anstrengenden Tag?

André Rulfs: Ausruhen, laufen gehen, Musik machen, in die Sauna gehen.

Friederike Apel: Ich entspanne bei einem guten Buch, einer guten Tasse Tee und langen Spaziergängen.

BORiS: Vielen Dank für das Interview.

Das Interview führte Wiebke Brüssel.

Zu den Personen

Friederike Apel ist Psychologin, Familientherapeutin und Supervisorin. Seit 1997 war sie für die St. Petri Kinder- und Jugendhilfe tätig, davon viele Jahre als Leiterin. Ab Oktober 2017 übergibt sie die Einrichtungsleitung von St. Petri an André Rulfs. Sie hat zwei erwachsene Kinder und vier Enkel. In ihrer Freizeit liest sie gern und viel. Friederike Apel wohnt in Hastedt.

André Rulfs ist Sozialpädagoge und Sozialtherapeut. Er ist in Bremen geboren und kehrte nach dem Studium in Emden und einigen Jahren Arbeit in der Drogenhilfe in Oldenburg und Nienburg in seine Heimatstadt zurück. Seit 1999 arbeitet er in St. Petri, seit 2011 gehört er der Leitung an. Ab Oktober 2017 übernimmt er die Einrichtungsleitung und ist als Prokurist Teil der Geschäftsführung. Privat spielt er Schlagzeug und läuft Marathon.André Rulfs wohnt im Geteviertel.

 

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