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Steinskulptur der Heiligen in der Elisabethkirche zu Marburg
Steinskulptur der Heiligen in der Elisabethkirche zu Marburg
Steinskulptur der Heiligen in der Elisabethkirche zu Marburg
In den Jahren 1909 bis 1912 errichtete der junge hochbegabte Architekt Gregor Werner Heyberger im Park der Egestorff-Stiftung ein Altenheim als Heimstatt für die Bewohner des ehemaligen Armenhauses in Bremen. Das Bauwerk einschließlich eigener Kirche wurde ein architektonisches Meisterwerk und daher 1973 unter Denkmalschutz gestellt.

Dem Architekten Heyberger stand ein ebenso hochbegabter Künstler für die Gestaltung der Kirchenfenster zur Seite, nämlich der Glasmaler Georg K. Rohde.

Er wählte als Motiv der Kirchenfenster Elisabeth von Thüringen, die wegen ihres tiefen Menschseins als Heilige gilt. Mit ihrer Wahl und der Ausstattung der Kirchenfenster mit Bildern der Barmherzigkeit dieser Heiligen hat Rohde den Stiftungsbewohnern und uns Osterholzern ein einmaliges Geschenk gemacht.

Die Fotos der Kirchenfenster sind Eckart Mohn zu verdanken.

Mittsommer 2013

Berthold Lindemann

 

Der Glasmaler

Der Glasmaler Georg K. Rohde (1874 – 1959)

Der Glasmaler Rohde, mit vollem Namen Georg Ernst Karl Rohde, wurde am 30. August 1874 in Oldenburg geboren und verstarb am 04. März 1959 in Bremen.

Er absolvierte eine Malerlehre und ging danach als Geselle nach Hannover. Hier arbeitete er in einem Glaseratelier, das häufig Aufträge zur Dekoration von Kirchenräumen ausführte. Dadurch kam Rohde in Berührung mit der Technik der Glasgestaltung, die eine lange Handwerkertradition hatte und im Jugendstil als Glasmalerei wieder neu auflebte. Da Rohde sich alles selbst aneignete und daher auch keinen Meistertitel in dem Fach erwarb, zog er 1901 nach Bremen, weil hier Gewerbefreiheit herrschte. Er arbeitete in Bremen wieder in einem Glaseratelier.

Gleich im ersten Jahr 1901 stellte er erstmals eigene Arbeiten im Bremer Gewerbemuseum aus. Aufgrund seiner großen Leistungen verlieh ihm die Handwerkskammer Bremen den Meistertitel ehrenhalber. 1903 erhielt er den ersten Auftrag im sakralen Bereich, nämlich die Fertigung eines Entwurfes von sechs Fenstern für den Kreuzgang des Bremer St.-Petri-Domes und die Neufassung eines dreiteiligen Chorfensters über dem Hochaltar. Die 1906 fertiggestellten Fenster erregten durch Leuchtkraft der Farben, durch Reichtum und Stilisierung der Figuren erhebliches Aufsehen, und Rohde gewann den Ruf eines Meisters, der in Norddeutschland seinesgleichen suchte. In demselben Jahr machte sich daher Rohde in Bremen selbständig und richtete eine eigene Werkstatt in der Katharinenstraße ein. Der Schwerpunkt der Arbeiten von Rohde lag daher auch in Bremen.

Aber der umfangreiche Bestand seiner ausgeführten Auftragsarbeiten umfasste im Sakralbereich auch den gesamten norddeutschen Raum. So schuf Rohde in der Zeit von 1907 bis 1911 bei der Wiederherstellung der Alexanderkirche in Wildeshausen das Chorfenster der „Vier Apostel“ und das vom Bremer Senat gestiftete Fenster zur „Verherrlichung der Barmherzigkeit“. 1908 stattete er die St.-Laurentius-Kirche in Abbehausen-Nordenham mit Glasfenstern im Jugendstil aus und die Jacobus- Kirche in Neuende mit Deckenmalereien im Jugendstil.

1911 stellte Rohde Fenster auf der Brüsseler Weltausstellung aus und erhielt dafür höchste Auszeichnungen. 1912 präsentierte er 42 Entwürfe und ausgeführte Glasmalereien in zeitgemäßer Formensprache im Oldenburger Kunstgewerbemuseum.

Als weitere Werke sind noch zu erwähnen: die 1913 gestalteten Glasfenster in der St.-Bartholomäus-Kirche in Golzwarden, die Jugendstilfenster und Christus als Weltenrichter in der Dreifaltigkeitskirche in Oldenburg und die Jugendstilfenster in der Gertrudenkapelle zu Oldenburg.

Nach der Unterbrechung der künstlerischen Arbeiten durch den Ersten Weltkrieg (1914 – 1918) schuf Rohde 1919 ein Treppenhaus- und Wappenfenster im Bremer Schütting. Im Zweiten Weltkrieg (1939 – 1945) wurde das Bremer Atelier von Rohde vollständig zerstört. Er richtete sich mit 71 Jahren nach 1945 eine neue Werkstatt in seinem Bremer Wohnhaus Am Dobben ein. Als erste neue Nachkriegsarbeit schuf Rohde 1948 die Kapellenfenster im St.-Joseph-Stift. 1950/1951 gestaltete er eine zweite Fassung des Bremer Domchorfensters und die sechzehnteilige Fensterrose in der Westfassade des Domes.

Bei der gründlichen Renovierung der Grambker Kirche 1953 schuf Rohde die neuen Kirchenfenster. Zwei Jahre vor seinem Tode bewältigte Rohde 1957 noch seinen letzten größeren Auftrag, nämlich die Gestaltung der Fenster in der Kirche zu Oberneuland.

Was die Nachbargemeinde Osterholz anbelangt, verdankt sie dem schöpferischen Glasmaler Rohde die beeindruckenden Fenster der Heiligen Elisabeth in der Kirche der Egestorff-Stiftung von 1912. Mit ihnen schuf Rohde eine Verbindung zwischen dem domus pauperum, also dem Haus der Armen, das 1696 an der Weser in der Steffensstadt gegründet worden war und 1912 als Altenheim in den Park der Egestorff-Stiftung verlegt wurde, und der mater pauperum, also der Mutter der Armen, wie die heilige Elisabeth im Mittelalter genannt wurde, wie sie glücklicher und symbolträchtiger nicht sein könnte.

Elisabeth von Thüringen

Die heilige Elisabeth von Thüringen

Lebensdaten von 1207 bis 1231

Es ist 2007 genau 800 Jahre her, daß eine Königstochter auf die Welt kam, die als heilige Elisabeth von Thüringen in die Geschichte eingehen sollte. Denn 1207 wurde Elisabeth als Tochter des ungarischen Königs Andreas II. (1176 – 1235) und seiner Frau Gertrud aus dem Fürstenhaus Andechs-Meranien in Ungarn, einer damals europäischen Großmacht, geboren. Der ungarische König und der mächtige, mit dem Stauferkaiser Friedrich II. verbündete Landgraf Hermann I. Von Thüringen (1184 – 1217) kamen nach einem intensiven Schriftwechsel 1211 überein, dass Elisabeth mit dem gleichnamigen Sohn Hermann des thüringischen Landgrafen verlobt werden sollte. Diese Verlobung zwischen der erst vier Jahre alten Elisabeth und dem elf Jahre alten Hermann geschah aus damals durchaus üblichen politischen und dynastischen Gründen. In einem prächtigen Festzug und mit einer standesgemäß reichen Mitgift wurde die kleine Braut aus Ungarn auf die Wartburg geholt.

Zwei Jahre später, also 1213, wurde Elisabeths Mutter Gertrud von aufständischen ungarischen Adligen ermordet. Sie galt als intrigante, herrschsüchtige Königin, die eine blühende Günstlingsherrschaft pflegte und als Deutsche bei dem ungarischen Adel unbeliebt war. Im Jahre 1216 verstarb am 31. Dezember Elisabeths Verlobter Hermann im Alter von 16 Jahren. Und im Jahr darauf verstarb auch sein Vater, der Landgraf Hermann I. Sein am 28.10.1200 geborener Sohn Ludwig wurde daraufhin mit 17 Jahren als Ludwig IV. Landgraf von Thüringen, Pfalzgraf von Sachsen und Gebieter über den Besitz in Hessen. Ludwig war Elisabeth sehr zugeneigt. Mit 21 Jahren heiratete er daher 1221 die 14 Jahre alte Elisabeth in der Georgenkirche zu Eisenach. Beide führten eine für die damalige Zeit ungewöhnlich glückliche Ehe. Am 28. März 1222, als Elisabeth 15 Jahre alt war,wurde auf der Creuzburg ihr erster Sohn Hermann geboren, der jedoch bereits mit 19 Jahren 1241 verstarb. Das Jahr 1223 wurde dann für die 16jährige Elisabeth ein ganz entscheidendes Jahr. Sie baute zu Eisenach unterhalb der Wartburg ein Hospiz mit 29 Betten für Sieche und Aussätzige, die sie selbst pflegte und ernährte.

Gemeinsam mit ihrem Mann Ludwig gründete sie weiterhin in Gotha ein Hospiz. Es bot Betten für Kranke, ein Dach für Pilger und Obdachlose, Milch und Windeln für ausgesetzte Kinder, ein Zuhause für Waisen und Blinde, für Verwirrte und Verarmte, für einsame Alte und verstoßene Frauen. Außerdem verkaufte sie ihren Schmuck und gab den Erlös an die Armen. Diese versorgte sie auch mit Mahlzeiten und verschenkte an sie ihre Kleider.

1223 kamen auch die ersten Franziskaner-Mönche nach Thüringen. Ihr Ideal der befreienden Besitzlosigkeit, ihre Verpflichtung zur Armut und Buße und ihre Aufgabe, als Bettler Aussätzige zu pflegen, fanden großen Widerhall bei Elisabeth. So wurde auch der Franziskaner-Mönch Rodeger bis 1226 der geistliche Berater von Elisabeth.

Am 30. März 1224 wurde Elisabeths Tochter Sophie geboren.

Das Jahr 1226 wurde für die jetzt 19jährige Elisabeth wieder ein ganz besonderes Jahr. Zusammen mit ihrem Mann wählte sie für sich den päpstlichen Kreuzzugs und Ketzerprediger Konrad von Marburg zu ihrem Beichtvater und geistlichen Führer. Ihm gegenüber leistete sie im Eisenacher Katharinenkloster, in dem ihre Schwiegermutter Sophie von Thüringen lebte, das Gelübde unbedingten Gehorsams und für den Fall, daß sie Ludwig überleben würde, das Gelübde ewiger Keuschheit. Zusammen mit der Armut waren diese Gelübde die unabdingbaren Voraussetzungen des Mittelalters für die Nachfolge Christi auf Erden.

Im Frühjahr 1226 herrschten in Thüringen Überflutung, Pest und eine große Hungersnot. Ludwig IV. weilte seinerzeit bei Kaiser Friedrich II. auf dem Reichstag in Cremona, wo beide das Kreuzzugsgelübde ablegten. Elisabeth führte daher als Fürstin die Verwaltung in der Landgrafschaft. So konnte sie aus Mitleid mit den Armen und Hungrigen an diese die Kornvorräte aus den fürstlichen Vorratskammern verteilen und Geld aus der Staatskasse nehmen, um Bedürftige zu unterstützen. Diese als Verschwendung angesehenen Hilfen riefen nicht nur Kopfschütteln, sondern insbesondere bei den Brüdern von Ludwig IV., Heinrich Raspe und Konrad, und bei dem Hofstaat scharfe Missbilligung hervor. Es ging das böse Wort um, dass die Wartburg, der Hort des stolzen thüringischen Adlers, von einer ungarischen diebischen Elster umflattert werde. Aber ihr Ehemann Ludwig machte Elisabeth nach seiner Rückkehr aus Italien keine Vorwürfe.

Am 24. Juni 1227 musste sich dann jedoch Ludwig von Elisabeth in Schmalkalden verabschieden, weil er von dort mit Kaiser Friedrich II. zum fünften Kreuzzug aufbrach. Ludwig gelangte jedoch nur bis Süditalien und starb dort am 11. September 1227 in Otranto an einer Seuche. Drei Wochen nach dem Tode ihres Mannes brachte Elisabeth ihr drittes Kind, die Tochter Gertrud, zur Welt. Erst hiernach erfuhr sie vom Tod ihres Mannes. Ihre tiefe Erschütterung brachte sie mit den Worten zum Ausdruck: „Er ist tot, damit ist die Welt mir tot“.

Mit dem Tod ihres Mannes verlor Elisabeth auch seine Unterstützung und sein Verständnis. Von ihrem Schwager Heinrich Raspe (1202 – 1247) wurde Elisabeth so vor die Wahl gestellt, sich dem höfischen Leben auf der Wartburg anzupassen oder diese zu verlassen. Elisabeth entschied sich gegen den Thüringer Hofstaat und für die Armen und die Kranken. Im Spätherbst 1227 verließ Elisabeth mit ihren drei Kindern die Wartburg und übernachtete zeitweilig in Eisenach u.a. auch in einem Schweinestall. Dann nahm sie ihr Onkel Egbert, Bischof von Bamberg, in der Burg Pottenstein auf. Er versuchte auch vergeblich, Elisabeth wieder zu verheiraten. Diese entschied sich, nach Marburg an den Wohnort ihres Seelenführers Konrad überzusiedeln.

Am Karfreitag, dem 24. März 1228, erneuerte Elisabeth ihr Gelübde gegenüber Konrad von Marburg in der Franziskanerkirche zu Eisenach. Sie entsagte ihrem weltlichen Besitz, ihrem eigenen Willen und ihren Kindern. Diesen wollte sie ein entbehrungsreiches Leben ersparen und gab sie daher in andere Obhut. Konrad von Marburg hielt Elisabeth lediglich davon ab, auch ihren weiteren Besitz, nämlich die elterliche Mitgift und die Morgengabe aufzugeben, die sie nach dem Vollzug der Ehe als weltliches Pfand von Ludwig erhalten hatte. Diesen Besitz wollte Konrad für die Kirche retten. So konnte Elisabeth auch im Sommer 1228 aus ihrem Witwengut ein Hospital zur Armen- und Krankenpflege und eine dem heiligen Franz von Assisi (1182 – 1226) gewidmete Kapelle in Marburg stiften und errichten lassen. In unmittelbarer Nähe des Hospitals befand sich eine Quelle, die noch heute als Elisabethbrunnen bekannt ist. Bis zu ihrem Tode widmete sich Elisabeth ausschließlich der Krankenpflege und Askese als einfache, graue Hospitalschwester. Sie verlangte dabei ihrem Körper Übermenschliches ab und verstarb erschöpft am 17. November 1231 im Alter von nur 24 Jahren.

Schwester in der Welt

Wir Heutigen können nur noch schwer Zugang finden zu einem menschlichen Wesen, das mit vier Jahren verlobt, mit 14 Jahren verheiratet, mit 20 Jahren verwitwet war und mit 24 Jahren verstorben ist, das in dieser kurzen Lebensspanne aber Fürstin und zugleich glückliche Ehefrau und liebevolle Mutter war und für das über alledem ein unendlich entbehrungsreiches Leben in der Nachfolge Christi lag.

Die Erfüllung der sieben leiblichen Werke der Barmherzigkeit durch die heilige Elisabeth erscheint uns in unserer Zeit, in der Barmherzigkeit und Gotteswirklichkeit weithin nur noch Fremdworte sind, fast unwirklich. Nun gab es sicherlich äußere Einflüsse, die dieses äußerst ungewöhnliche Leben der Elisabeth mitbestimmt haben. So übte die Ehefrau des Landgrafen Hermann I. von Thüringen, Sophia von Bayern, also die Schwiegermutter von Elisabeth, auf diese großen Einfluß aus, weil sie von tiefer religiöser Gesinnung und großer werktätiger Nächstenliebe erfüllt war. Auch das Verständnis des Ehemannes Ludwig IV. war von erheblicher Bedeutung. Elisabeth und Ludwig hatten große Achtung voreinander, und ihre Beziehung zueinander hatte etwas Unverbrüchliches und Ethisches. Schließlich fanden die Lebens- und Glaubensauffassungen des Franz von Assisi großen Widerhall bei Elisabeth. Aber ganz entscheidend für Demut und Barmherzigkeit der Elisabeth war die Führung durch Konrad von Marburg. Er nahm Elisabeth in strenge Zucht, verfolgte sie mit Bußübungen und geißelte sie schon bei kleinen Vergehen. Elisabeth nahm es in Demut und Armut hin, weil sie es der Demut und Armut Christi gleichtun wollte. Dazu gehörte allerdings neben diesen äußeren Einflüssen auch eine innerlich gefestigte und starke Persönlichkeit. Und Elisabeth konnte äußerst zielstrebig, entschlossen und willensstark sein, wenn es um ihren individuellen Weg der Nachfolge Christi ging. Ihr Selbstbewußtsein kam in ihrem Bekenntnis zum Ausdruck: „Mit Gott und mir soll keiner fertig werden, der vom Übel kommt!“ So war für sie Gott Wirklichkeit und Jesus Christus Herr und Bruder ihres Lebens, neben dem sie als Schwester in der Welt wirken und ihre selbstlose Hilfe für die Armen und Kranken als Gottesdienst verstehen konnte. Damit trat Elisabeth weit aus den Maßen des Jahrhunderts, ja aus den Maßen jedes Jahrhunderts heraus. Zugang zu ihr ist für uns heute wohl nur möglich, wenn wir sie wirklich als Heilige sehen, also als ein in Gott vollendeter Mensch.

Heiligsprechung 1235

Noch im Jahre ihres Todes 1231 wurde das Grab der Elisabeth zum Wallfahrtsort für unzählige Menschen. Im Jahre 1232 regte daher Konrad von Marburg in einem Brief an Papst Gregor IX. die Heiligsprechung der Elisabeth an. Am 30. Juli 1233 wurde jedoch Konrad wegen seiner fanatischen Strenge als päpstlicher Inquisitor ermordet. Das Verfahren zur Heiligsprechung von Elisabeth kam daher ins Stocken. Aber ihr Schwager Konrad von Thüringen betrieb als Mitglied des Deutschen Ordens die Heiligsprechung weiter, und im Jahre 1234 übertrug der Papst das von Elisabeth gegründete Marburger Hospital dem Deutschen Orden. Zu Pfingsten am 27. Mai 1235 wurde dann Elisabeth von Papst Gregor IX. in der Dominikanerkirche zu Perugia heilig gesprochen.

Am 1. Mai 1236 wurden die Gebeine Elisabeths in der Marburger Hospitalkirche erhoben und in einen prächtigen Schrein überführt. An der Feier nahmen der Kaiser Friedrich II. im Büßergewand, der Hochmeister des Deutschen Ordens, Hermann von Salza, und die Erzbischöfe von Mainz, Köln und Trier sowie der Bremer Erzbischof Gerhard II. teil. Kaiser Friedrich II. stiftete ein kostbares Kronenreliquiar.

Auf Geheiß von Papst Innozenz IV. wurden schließlich die Gebeine der heiligen Elisabeth in einem kostbaren Schrein 1249 in die noch im Bau befindliche Kirche in Marburg überführt. Diese erste gotische Kathedrale in Deutschland wurde dann 1283 als Elisabeth-Kirche geweiht.

Die sieben leiblichen Werke der Barmherzigkeit

Neben den sieben geistigen Werken der Barmherzigkeit, Unwissende lehren,

Zweifelnden raten,

Irrende zurechtweisen,

Trauernde trösten,

Unrecht ertragen,

Beleidigungen verzeihen,

für Lebende und Tote beten,

gibt es jene sieben leiblichen Werke, von denen sechs im Matthäus-Evangelium in Kapitel 25 Vers 35 aufgezählt sind und denen das weitere Werk der Totenbestattung im Mittelalter angefügt wurde. Dass uns der Glasmaler Georg K. Rohde diese von der heiligen Elisabeth ausgeführten Werke in seinen Glasmalereien 1912 so eindrucksvoll näher gebracht hat, kann uns noch heute mit Dankbarkeit und Freude erfüllen.

Im Mittelalter war die Vermittlung dieser leiblichen Werke der Barmherzigkeit an die Menschen nicht so leicht. Der überwiegende Teil der mittelalterlichen Bevölkerung konnte weder lesen noch schreiben. Aber die Menschen konnten hören und sehen. Ihnen mussten daher die Werke der barmherzigen Elisabeth in Predigten und durch Bilder nahegebracht werden. Dazu mussten diese Bilder in Kirchen und Hospitälern vordergründig, ganz konkret, vollkommen gegenständlich und zum Teil in einer drastischen Bildsprache dargeboten werden. Dagegen konnte der Glasmaler Rohde in der Bildsprache unserer Neuzeit die Barmherzigkeitswerke der heiligen Elisabeth viel hintergründiger, feinfühliger und voller schöner Empfindsamkeit darstellen. Das ist ihm meisterlich gelungen.

Die Heilige Elisabeth

Die Heilige Elisabeth
Die Heilige Elisabeth
Die Heilige Elisabeth
Seinen Bilderreigen beginnt der Glasmaler Rohde mit einem Bild der Wohltäterin.

In dem ersten von dem Maler mit G.K.R. signierten Fenster an der Westseite der Kirche ist die heilige Elisabeth als „Schwester der Welt“ dargestellt. Ihre Demut und Armut kommt dadurch zum Ausdruck, daß sie eine einfache Kutte als Hospitalschwester trägt und barfüßig daherkommt. Unter der Kutte aber ist Elisabeth - und das ist auch mit einer Ausnahme bei den weiteren Fensterbildern der Fall – in blau gewandet. Hier ist von Rohde liebevoll nachempfunden, daß blau im Mittelalter den Engeln zugeordnet war. Darüber hinaus hat Rohde die Darstellung der Elisabeth mit der wohl schönsten Legende vom Rosenwunder verbunden.

Als Elisabeth einmal zur Speisung von Armen mit Brot in ihrer Schürze von der Wartburg herabstieg, begegnete sie ihrem Ehemann Ludwig IV. Dieser fragte sie, was sie in der Schürze trage. Sie antwortete: „Rosen“. Und als sie die Schürze öffnete, sah Ludwig dank göttlicher Fügung nichts als Rosen.

Rohde hat in seinem Bild die Rosen zart in die Hände der heiligen Elisabeth gelegt

und damit zugleich auf das wichtige Leitmotiv in dem Leben der heiligen Elisaeth verwiesen, das da lautete: „Wir müssen die Menschen nicht nur satt machen, wir müssen die Menschen auch froh machen“.

Kranke besuchen

Kranke besuchen
Kranke besuchen
Kranke besuchen
Besonders aufopferungsvoll und selbstlos war Elisabeth bei der Krankenpflege, wenn sie den Kranken die Wunden reinigte und verband, bei ihnen Fußwaschungen vornahm oder Aussätzigen die Haare schnitt. Elisabeth sah in jedem Kranken und Armen Christus den Leibhaftigen. Am eindrucksvollsten kommt das in der Legende vom Kreuzwunder zum Ausdruck:

Elisabeth nahm einen Aussätzigen auf, badete ihn und legte ihn in das Bett es Landgrafen. Dieser wurde darauf hingewiesen, daß Elisabeth sein Lager infizieren würde. Ludwig IV aber erkannte den wahren Beweggrund seiner Frau, und wie durch ein Wunder hatte sich der Aussätzige in ein Kruzifix verwandelt, als Ludwig in sein Bett schaute.

Darauf ermunterte Ludwig seine Frau, auch in dieser Art ihrer Krankenpflege fortzufahren. Bei jeder Krankenpflege ging es Elisabeth insbesondere auch um das Seelenheil der Kranken. Rohde hat das in dem zweiten Fenster an der Kirchenwestseite in besonderer Weise verinnerlicht. Die ganz in Engelblau gekleidete barfüßige Elisabeth besucht eine offensichtlich seelisch Kranke. Die presst ihre linke Hand auf die Brust. Die rechte Hand der Kranken hat Elisabeth in ihre tröstenden Hände genommen. Neben der Kranken sprudelt als Gesundbrunnen die Elisabethquelle, wie wir sie von dem Marburger Hospital, der dritten Hospitalgründung der heiligen Elisabeth, kennen.

Verziert ist das Bild mit einem Blumenornament im Jugendstil.

Durstige tränken

Durstige tränken
Durstige tränken
Durstige tränken
In dem dritten Westfenster hat Rohde die Barmherzigkeit der Tränkung einer Durstigen dargestellt. Diese kniet vor der heiligen Elisabeth und bittet mit erhobenen Händen um das erquickende Naß. Elisabeth gewährt es ihr aus einer Schale und legt dabei ihre linke Hand segnend auf das Haupt der Dürstenden. Dazu fallen Tropfen von Himmelswasser hernieder.

Auch dieses Bild ist verziert mit einem Blumenornament im Jugendstil.

Hungrige speisen

Hungrige speisen
Hungrige speisen
Hungrige speisen
Den Hunger hat die heilige Elisabeth in ihrem Leben selbst öfters erfahren. Sie wollte immer nur von ihrer Hände Arbeit leben. Deswegen hat sie es stets abgelehnt, am Tisch ihres Mannes von Dingen zu essen, die eigentlich den Bauern gehörten und ihnen mit Gewalt weggenommen worden waren. Elisabeth stand darum lieber hungrig wieder auf und verlangte das auch von ihren Begleiterinnen. So kam Elisabeth Hungernden immer besonders liebevoll entgegen. Das hat Rohde in seinem vierten Fenster an der Westfront der Kirche in schöner Weise zum Ausdruck gebracht. Ein armer, barfüßiger und nur halb bekleideter Mann kniet vor Elisabeth und bittet sie mit flehend erhobenen Händen um Brot. Mit offenen Armen empfängt Elisabeth den Hungernden und verheißt ihm Nahrung. Weiterhin weist das Bild neben dem Paar auf drei Korngarben hin. Damit hat Rohde wohl auf die Legende vom Kornwunder Bezug genommen.

Als Elisabeth in der großen Hungersnot von 1226 in Abwesenheit des Landgrafen alles Korn aus den fürstlichen Vorratshäusern an Hungernde verteilen ließ und deswegen heftige Vorwürfe vom Fürstenhof erhielt, wurden plötzlich die Böden des Vorratsraumes mit Korn bedeckt und die Kornkammern wieder mit Korn gefüllt. So bekam Elisabeth, die freiwillig gab, als göttliches Zeichen hundertfach zurück.

Auch dieses Bild enthält ein Blumenornament im Jugendstil.

Gefangene besuchen

Gefangene besuchen
Gefangene besuchen
Gefangene besuchen
In dem ersten – wieder von dem Glasmaler mit G.K.R. signierten – Fenster an der Ostseite der Kirche hat Rohde in eindrucksvoller Weise ein Werk geschaffen, das die Barmherzigkeit des Gefangenenbesuches durch den Besuch der heiligen Elisabeth als Schutzengel darstellt. Der durch die Gefangenschaft gebeugte und erniedrigte Gefangene erscheint geradezu klein zu dem übergroßen und beschützenden Engel in Gestalt der heiligen Elisabeth. Neben einer gebrochenen Dornenkrone als Zeichen des Leidens, aber auch seines Endes steht der Gefangene in dürftiger Bekleidung. Er strebt und zeigt mit der linken Hand in eine bestimmte Richtung, wahrscheinlich die des Kerkerausgangs. Als barfüßiger blau gekleideter Engel mit einem grünen Hoffnungskranz um das Haupt versucht die heilige Elisabeth mit der linken Hand die hochgehobene rechte Hand des Gefangenen zu ergreifen und ihn zu trösten. Ihre rechte Hand aber streckt Elisabeth gen Himmel und damit zur eigentlichen Quelle des Trostes und der Hoffnung.

Auch dieses Bild enthält Blumenornamente im Jugendstil.

Nackte bekleiden

Nackte bekleiden
Nackte bekleiden
Nackte bekleiden
Aus den Berichten der Isentrud von Hörselgau, einer Vertrauten der heiligen Elisabeth, wissen wir, daß Elisabeth armen Täuflingen Kleider spendete und sie selbst über das Taufbecken hielt und so ihre geistige Verwandtschaft mit ihnen bekundete. Ihre besondere Fürsorge galt auch dem kümmerlichen Leben der Wöchnerinnen und ihrer Kinder in den armseligen Behausungen. Sie brachte ihnen Milch und auch Kleidung. Ihre mütterliche Liebe zu ihren eigenen drei Kindern übertrug die heilige Elisabeth auch auf alle armen, kranken und nackten Kinder. So hat Rohde sie auch in dem zweiten Ostfenster liebevoll dargestellt. Statt in Engelblau ist die heilige Elisabeth hier ganz im Rot der Liebe gekleidet. Im linken Arm trägt sie ein nacktes kleines Menschenkind mit einem Apfel in der rechten Hand. Zu ihren Füßen spielen zwei weitere nackte Kinder, von denen sich eines bereits schützend zur Hälfte in das Kleid der Elisabeth birgt, während das andere gleichsam freudestrahlend auf die heilige Elisabeth zeigt, die ihnen die Kleidung verheißt. Rohde hat die Barmherzigkeit, Nackte zu bekleiden, zugleich als Mutterliebe dargestellt. Daß Elisabeth nicht nur Wärme verspricht, hat Rohde dadurch in schöner Weise zum Ausdruck gebracht, dass er neben den Kindern und der heiligen Elisabeth eine Henne geschaffen hat, die schützend ihre Flügel über ihre kleinen Küken breitet.

Gäste beherbergen

Gäste beherbergen
Gäste beherbergen
Gäste beherbergen
In den von ihr gegründeten Hospitälern in Eisenach am Fuße der Wartburg, in Gotha und in Marburg nahm Elisabeth auch Obdachlose und Heimatlose, Fremde und Pilger auf. Sie alle fanden bei ihr eine dauernde oder – wie beispielsweise Pilger auf dem Weg zum Grabe des Apostels Jakobus d.Ä. in Santiago de Compostela – eine vorübergehende Herberge.

Diesem Akt der Nächstenliebe hat Rohde in dem dritten Fenster der Ostseite einen ganz schlichten Ausdruck verliehen. Er stellt einen von seiner ganzen Einsamkeit gefangenen, heimatlosen, auf seinen Stab gestützten alten Mann dar, vor dem nur ein kleiner grüner Baum der Hoffnung steht. Und diese Hoffnung besteht darin, dass der Fremde bei der heiligen Elisabeth Gast sein kann und Herberge finden wird.

Tote bestatten

Die Heilige Elisabeth
Die Heilige Elisabeth
Die Heilige Elisabeth
Damit schließt sich der Bilderzyklus und wir kehren zu dem ersten Bild der heiligen Elisabeth im Rosenwunder zurück. Denn dieses Bild steht zugleich auch für das barmherzige Werk der Totenbestattung.

Die heilige Elisabeth schneiderte eigenhändig Leichenhemden und zog sie Toten an, die arm waren. Diese Toten begleitete sie auch auf ihrem letzten Gang. Auch ihren großen weißen Leinenschleier hatte Elisabeth in Teile zerschnitten und damit Tote vor dem Begräbnis bedeckt.

Diese Totenbestattung deutet Rohde durch einen gegenüber der heilgen Elisabeth befindlichen Grabhügel an, auf dem kleine Glockenblumen blühen und auf dem eine Trauerweide wächst, die den Toten und sein Grab beschirmt. Beim Grabe und zu Füßen der heiligen Elisabeth liegt eine letzte Rose. In die Spitze des Baumes setzt Rohde singende Vögel, die als Verbindung zwischen Himmel und Erde gelten. Sie symbolisieren zugleich, dass Auferstehung und ewiges Leben über den Tod siegen.