Steinskulptur der Heiligen in der Elisabethkirche zu MarburgIn den Jahren 1909 bis 1912 errichtete der junge hochbegabte Architekt Gregor Werner Heyberger im Park der Egestorff-Stiftung ein Altenheim als Heimstatt für die Bewohner des ehemaligen Armenhauses in Bremen. Das Bauwerk einschließlich eigener Kirche wurde ein architektonisches Meisterwerk und daher 1973 unter Denkmalschutz gestellt.

Dem Architekten Heyberger stand ein ebenso hochbegabter Künstler für die Gestaltung der Kirchenfenster zur Seite, nämlich der Glasmaler Georg K. Rohde.

Er wählte als Motiv der Kirchenfenster Elisabeth von Thüringen, die wegen ihres tiefen Menschseins als Heilige gilt. Mit ihrer Wahl und der Ausstattung der Kirchenfenster mit Bildern der Barmherzigkeit dieser Heiligen hat Rohde den Stiftungsbewohnern und uns Osterholzern ein einmaliges Geschenk gemacht.

Die Fotos der Kirchenfenster sind Eckart Mohn zu verdanken.

Mittsommer 2013

Berthold Lindemann

 

Der Glasmaler

Der Glasmaler Georg K. Rohde (1874 – 1959)

Der Glasmaler Rohde, mit vollem Namen Georg Ernst Karl Rohde, wurde am 30. August 1874 in Oldenburg geboren und verstarb am 04. März 1959 in Bremen.

Er absolvierte eine Malerlehre und ging danach als Geselle nach Hannover. Hier arbeitete er in einem Glaseratelier, das häufig Aufträge zur Dekoration von Kirchenräumen ausführte. Dadurch kam Rohde in Berührung mit der Technik der Glasgestaltung, die eine lange Handwerkertradition hatte und im Jugendstil als Glasmalerei wieder neu auflebte. Da Rohde sich alles selbst aneignete und daher auch keinen Meistertitel in dem Fach erwarb, zog er 1901 nach Bremen, weil hier Gewerbefreiheit herrschte. Er arbeitete in Bremen wieder in einem Glaseratelier.

Gleich im ersten Jahr 1901 stellte er erstmals eigene Arbeiten im Bremer Gewerbemuseum aus. Aufgrund seiner großen Leistungen verlieh ihm die Handwerkskammer Bremen den Meistertitel ehrenhalber. 1903 erhielt er den ersten Auftrag im sakralen Bereich, nämlich die Fertigung eines Entwurfes von sechs Fenstern für den Kreuzgang des Bremer St.-Petri-Domes und die Neufassung eines dreiteiligen Chorfensters über dem Hochaltar. Die 1906 fertiggestellten Fenster erregten durch Leuchtkraft der Farben, durch Reichtum und Stilisierung der Figuren erhebliches Aufsehen, und Rohde gewann den Ruf eines Meisters, der in Norddeutschland seinesgleichen suchte. In demselben Jahr machte sich daher Rohde in Bremen selbständig und richtete eine eigene Werkstatt in der Katharinenstraße ein. Der Schwerpunkt der Arbeiten von Rohde lag daher auch in Bremen.

Aber der umfangreiche Bestand seiner ausgeführten Auftragsarbeiten umfasste im Sakralbereich auch den gesamten norddeutschen Raum. So schuf Rohde in der Zeit von 1907 bis 1911 bei der Wiederherstellung der Alexanderkirche in Wildeshausen das Chorfenster der „Vier Apostel“ und das vom Bremer Senat gestiftete Fenster zur „Verherrlichung der Barmherzigkeit“. 1908 stattete er die St.-Laurentius-Kirche in Abbehausen-Nordenham mit Glasfenstern im Jugendstil aus und die Jacobus- Kirche in Neuende mit Deckenmalereien im Jugendstil.

1911 stellte Rohde Fenster auf der Brüsseler Weltausstellung aus und erhielt dafür höchste Auszeichnungen. 1912 präsentierte er 42 Entwürfe und ausgeführte Glasmalereien in zeitgemäßer Formensprache im Oldenburger Kunstgewerbemuseum.

Als weitere Werke sind noch zu erwähnen: die 1913 gestalteten Glasfenster in der St.-Bartholomäus-Kirche in Golzwarden, die Jugendstilfenster und Christus als Weltenrichter in der Dreifaltigkeitskirche in Oldenburg und die Jugendstilfenster in der Gertrudenkapelle zu Oldenburg.

Nach der Unterbrechung der künstlerischen Arbeiten durch den Ersten Weltkrieg (1914 – 1918) schuf Rohde 1919 ein Treppenhaus- und Wappenfenster im Bremer Schütting. Im Zweiten Weltkrieg (1939 – 1945) wurde das Bremer Atelier von Rohde vollständig zerstört. Er richtete sich mit 71 Jahren nach 1945 eine neue Werkstatt in seinem Bremer Wohnhaus Am Dobben ein. Als erste neue Nachkriegsarbeit schuf Rohde 1948 die Kapellenfenster im St.-Joseph-Stift. 1950/1951 gestaltete er eine zweite Fassung des Bremer Domchorfensters und die sechzehnteilige Fensterrose in der Westfassade des Domes.

Bei der gründlichen Renovierung der Grambker Kirche 1953 schuf Rohde die neuen Kirchenfenster. Zwei Jahre vor seinem Tode bewältigte Rohde 1957 noch seinen letzten größeren Auftrag, nämlich die Gestaltung der Fenster in der Kirche zu Oberneuland.

Was die Nachbargemeinde Osterholz anbelangt, verdankt sie dem schöpferischen Glasmaler Rohde die beeindruckenden Fenster der Heiligen Elisabeth in der Kirche der Egestorff-Stiftung von 1912. Mit ihnen schuf Rohde eine Verbindung zwischen dem domus pauperum, also dem Haus der Armen, das 1696 an der Weser in der Steffensstadt gegründet worden war und 1912 als Altenheim in den Park der Egestorff-Stiftung verlegt wurde, und der mater pauperum, also der Mutter der Armen, wie die heilige Elisabeth im Mittelalter genannt wurde, wie sie glücklicher und symbolträchtiger nicht sein könnte.

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