Steinskulptur der Heiligen in der Elisabethkirche zu MarburgIn den Jahren 1909 bis 1912 errichtete der junge hochbegabte Architekt Gregor Werner Heyberger im Park der Egestorff-Stiftung ein Altenheim als Heimstatt für die Bewohner des ehemaligen Armenhauses in Bremen. Das Bauwerk einschließlich eigener Kirche wurde ein architektonisches Meisterwerk und daher 1973 unter Denkmalschutz gestellt.

Dem Architekten Heyberger stand ein ebenso hochbegabter Künstler für die Gestaltung der Kirchenfenster zur Seite, nämlich der Glasmaler Georg K. Rohde.

Er wählte als Motiv der Kirchenfenster Elisabeth von Thüringen, die wegen ihres tiefen Menschseins als Heilige gilt. Mit ihrer Wahl und der Ausstattung der Kirchenfenster mit Bildern der Barmherzigkeit dieser Heiligen hat Rohde den Stiftungsbewohnern und uns Osterholzern ein einmaliges Geschenk gemacht.

Die Fotos der Kirchenfenster sind Eckart Mohn zu verdanken.

Mittsommer 2013

Berthold Lindemann

kindergruppe SWOsterholz hat in Bezug auf historische Ereignisse nur episodenhafte Begegnungen mit der Geschichte gehabt. Eine solche Begegnung erlebte das abseits gelegene Hollerland mit seinen drei Dorfschaften Osterholz, Rockwinkel und Oberneuland im Schmalkaldischen Krieg.

Bremen war seit 1531 im Schmalkaldischen Bund, in dem sich protestantische Fürsten und Städte unter Führung des Kurfürsten Johann Friedrich von Sachsen und des Landgrafen Philipp von Hessen gegen die Katholische Reichsgewalt, Kaiser Karl V., verbündet hatten. Für Bremen ging es in den 1546 begonnenen kriegerischen Auseinandersetzungen um seine Existenz; Karl V. wollte das Gebiet der Wesermündung annektieren und es den von ihm beherrschten Niederlanden einverleiben. Anfang 1547 erschienen zur Einnahme Bremens unter dem Oberbefehlshaber der kaiserlichen Truppen Jobst von Cruningen und dem Obristen Christoph von Wrißberg 11 Fähnlein Knechte und 1200 Reiter. Die Truppen Cruningens überfluteten das gesamte Hollerland, also auch die Gemeinde Osterholz, während Wrißberg ein Lager in Hastedt bezog. Den Kaiserlichen ist es nicht gelungen, Bremen zu erobern, ob sie in Osterholz Schaden angerichtet haben, ist nicht überliefert.
    
Während des Dreißigjährigen Krieges (1618-1648), und zwar im Jahr 1627 kamen wiederum kaiserliche Truppen ins Holler- und Blockland. Bremen konnte dank seiner vorzüglichen Befestigungsanlagen aber auch dieses Mal nicht eingenommen werden. Die Bewohner des Hollerlandes allerdings wurden geschröpft. In einem Protokoll vom 29. Dezember 1627 ist aufgeführt, was die Kaiserlichen den Einwohnern von Osterholz und Ellen abgenommen haben: Bargeld, Hausrat, Kleider, 7 Kühe, 6 Schweine, 2 Ochsen und 62 Pferde. Insbesondere der Verlust der Pferde dürfte die Landbevölkerung am schwersten getroffen haben.

Die von den Hollerländern während des weiteren Verlaufs des Dreißigjährigen Krieges zu zahlenden Abgaben und Kontributionen waren gleichfalls nicht unbeträchtlich. So mussten an den Rat der Stadt Bremen folgende Beträge gezahlt werden:

1636:        492 Reichstaler
1637:        756 Reichstaler
1638:        685 Reichstaler.

1654 – sechs Jahre nach Beendigung des Dreißigjährigen Krieges – wurde Bremen in den Ersten Schwedenkrieg verwickelt. Im Zuge des Existenzkampfes, den Bremen gegen die schwedische Abhängigkeit führte, folgte 1664 bis 1666 der Zweite Schwedische Krieg. In diesen Jahren belagerte der schwedische Reichsfeldherr Carl Gustav Wrangel mit 10000 Mann Bremen. Während der ganzen Belagerungszeit war das Hollerland von Wrangel besetzt. Erst mit dem Friedensschluss von Habenhausen im November 1666 wurde das durch die Besetzung verursachte Leid der Hollerländer beendet. Es ist überliefert, dass drei Monate vor Friedensschluss ein B. Rust aus Osterholz an den ihm von schwedischen Reitern zugefügten Schlägen gestorben ist.

Im Zuge des Reichskrieges gegen die Schweden zogen weiterhin Kriegsvölker durch Osterholz. Die Aufzeichnungen der Bauern über die anlässlich von Einquartierungen von den Schweden beanspruchten Mahlzeit und Mengen von Bier wurden an den Rat der Stadt Bremen zwecks Gewährung einer Art Besatzungsentschädigung eingereicht; es ist nicht überliefert, ob eine solche Entschädigung gewährt wurde.

Schäden erlitten die Osterholzer auch durch Naturkatastrophen. So zerstörte ein gewaltiger Sturm am 20. November 1670 Häuser in Osterholz, wobei dem Bauern Bollmann in der Osterholzer Dorfstraße eine Haustochter getötet wurde. Sieben Jahre später trieb ein schwerer Sturm, der über dem Hollerland tobte, das Wasser über die Deiche. Insbesondere Osterholz und Ellen hatten darunter zu leiden.

Im Siebenjährigen Krieg (1756-1763), in dem sich Frankreich, Österreich und Russland gegen Preußen verbündet hatten, marschierten die Franzosen zweimal, und zwar 1757 und 1758 in Bremen ein. Osterholz mit dem Hollerland wurde 1757 von französischen Truppen unter General Chabot besetzt. Die Truppen sollen besonders in Osterholz viel Unheil angerichtet haben. Ausmaß und Einzelheiten sind aber nicht überliefert.

Während der napoleonischen Kriege 1806 bis 1813 litten die Osterholzer erheblich mehr als Tenever und Ellen, den beiden anderen Ortschaften des östlichen Hollerlandes, unter immer wieder erfolgten Einquartierungen französischer Soldaten. Zudem wurde Osterholz am 11. Mai 1811 allein mit einer Kriegssteuer von 840 Reichstalern belegt. Wegen der ungleichmäßigen Belegung der drei Ortschaften mit französischen Truppen wurde eine Einquartierungsumlage eingeführt, vor der sich aber die davon Betroffenen nach Möglichkeit zu drücken suchten. Aus den einzelnen Dorfschaften wurden Soldaten für Napoleons Truppen rekrutiert. Die Bauern hatten Korn und Vieh an die Truppen zu liefern, die ihnen dies notfalls auch gewaltsam abnahmen. Als Folge all dieser Belastungen waren die Dörfer am Ende des Krieges verarmt.

Die Zeit vom Ende der Franzosenherrschaft im Jahr 1813 bis zum Beginn des Ersten Weltkriegs (1914) war eine Epoche ohne äußere Einwirkungen. Nach Ende des Krieges im Jahr 1918 war in Osterholz der Verlust von 111 Menschenleben – Gefallene und Vermisste – zu beklagen. Der Zweite Weltkrieg (1939-1945) forderte seine Opfer nicht mehr nur auf den Kampffeldern, sondern auch bei den Bombenangriffen unter der Zivilbevölkerung. Osterholz trauerte am Ende des Krieges um 231 gefallene und 22 vermisste Gemeindemitglieder.

Quelle: Berthold Lindemann, Osterholz einst und jetzt, Seite 39-60, 1968 Verlag M.H.Hauschild GmbH, Bremen

WinterbildDatg Hollerland un siene Bewahner sünd nich jüst de Strakelkinner von den Weergott. Sünd se aber eenmaal verwähnt worrn, denn blifft so een Beleevnis noch johrelang in de Erinnerung von de Minschen fast sitten.

So weer dat maal bi een Johr, wo dat Wunner von een bleuhen Vörjohr un de Kraft von ee'n wassen Sommer noch in de pralle Oornt von een'n gollen Harvst gleuhen dän. De Landlüür von Osterholt harrn Kiepen vull Appels un Beern oornt. Pükfein un akraat na Dickstiel un Grabensteener, na Cox Orange un Kaiser Willem sorteert, weern de Appels op'n Dackböön un in'n Eerdkeller utleggt worrn, wo se wunnerboor sööt un leeflich rüken dän. Ok de late Harvst wieste sik nich von sien griese, suurmulsche Siet mit rusige Regenschuurn in'n kolen Nebelmaand. Nä, disse Harvst blinkerte mit Licht un Lüchten bit ton letzten Dag un word öber Nacht dör samtweeken Snee un frostklore Steernnächte aflööst. So fröhe Winterfreuden kunnen de Osterholter Kinner nich faken beleben. Dorum trocken se glieks na'n Middageten mit Iesensleern un Strietschoh in den veertig Morgen groten Egestorffpark.

 

Vorwort

Vorwort an die Kinder Jens, Martin und Klaus

Barbara Lange

Liebe Kinder !

Schon lange habt Ihr mich gebeten, doch mal aufzuschreiben, wie es mir in meinem Leben ergangen ist, was ich erlebt habe, besonders natürlich in der Zeit vor dem Jahre 1945. Diese Jahreszahl stellt eine große Zäsur in unser aller Leben dar, auch wenn man im vorgerückten Alter feststellt, dass irgendwie alles im Leben zusammenpasst. Die einzelnen Lebensabschnitte setzen sich wie ein Puzzlespiel zusammen - zumindest rückblickend -. Da ich heute nur noch aus der Erinnerung schreiben kann, weil ich keine Tagebuchaufzeichnungen besitze, wird es sich nicht alle chronologisch ordnen lassen, dennoch hoffe ich, dass Euch meine Schreiberei ein wenig Einblick gibt in eine Zeit, die ja nun unwiederbringlich vergangen ist. Bei meinem diesjährigen (1991) Besuch in "Ostpreußen" konnte ich das nun selber sehen und erleben, von meinem Geburtshaus in Waldhausen sind nicht mal mehr Trümmer zu finden, sondern nur eine Wildnis von Brennnesseln, Holunder, alles mannshoch und zugewachsen. Dieses zu sehen, erleichterte mir das endgültige Abschiednehmen sehr, dieser Teil meiner Kindheit konnte getrost beiseite gelegt wer

 den, es ist keine Sehnsucht mehr, sondern endgültig Vergangenheit. Diese Reise war für mich sehr wichtig, da ich immer Schwierigkeiten habe und hatte, Bremen nun als meine neue Heimat wirklich zu akzeptieren, zu viele

 

Wurzeln schienen noch im Osten zu sein, nun fällt es mir wesentlich leichter, die Vertreibung auch innerlich zu akzeptieren. Das sind ja Dinge, die nicht so unbedingt über den Verstand laufen, denn Emotionen lassen sich nicht befehlen. - Nach 1945 begann eine unruhige Zeit, Verlust der Heimat, Verlust des Elternhauses, keine abgeschlossene Schulbildung, es ging ums nackte Überleben, wo und wie bekomme ich am nächsten Tag etwas zu essen, wo kann ich schlafen, alles Überlegungen, die angestellt werden mussten, besonders in den ersten Wochen nach dem Krieg, da wir ja immer noch dachten, bald wieder nach Hause zurückkehren zu können.

Nachdem die Endgültigkeit des Verlustes der deutschen Ostgebiete klar wurde, mussten berufliche Pläne realisiert werden, das war schwierig, als wir ja sehr eingeschränkt waren in dem, was man machen konnte. Viele Möglichkeiten wurden gar nicht ins Auge gefasst, weil das von der Gesellschaftsschicht her nicht standesgemäß war. Aus meiner heutigen Sicht wäre es vielleicht für mich gar nicht schlecht gewesen, ein Handwerk zu lernen, aber das lag außerhalb meines Denkens. Nachdem ich in den ersten Monaten nach dem Krieg beim Roten Kreuz als Schwesternhelferin gearbeitet hatte, ging ich 1946 nach Oldenburg und verdingte mich als Sprechstundenhilfe bei einem praktischen Arzt. Im November 1948 versuchte ich für 2 Jahre mein Glück in Groß-Britannien, im Jahre 1950 kehrte ich von dort zurück. Dann absolvierte ich 1951 in Hamburg eine Private Handelsschule, um bei der Shell im Auslandsfernschreiber tätig zu sein. Im Jahre 1952. heiratete ich Gustav Alken, die Ehe wurde 1955 geschieden, und danach war ich eigentlich noch mehr aus der Bahn geworfen, ich kam mit der so veränderten Welt nicht zurecht. Leider hatte ich niemanden, der mir hätte Hilfestellung geben können, denn wir waren ja alle mehr oder weniger überfordert, angefangen von meiner Mutter, als auch meinen Schwestern. Im Jahre 1959 begegnete ich dann Eurem Vater, wir heirateten noch im selben Jahr, und diese Ehe bestimmt nun seit 32 Jahren mein Leben. Dass wir Schwierigkeiten miteinander haben würden, hatten wir nicht angenommen. Die Freude darüber, einen Menschen gefunden zu haben, der aus der Heimat stammte, war auf beiden Seiten wohl so groß, dass alles andere überdeckt wurde. Unsere Lebenswege seit 1945 waren so völlig unterschiedlich verlaufen, es hatte keine Kontinuität in der Entwicklung gegeben. Das alles übersahen wir nicht, und wenn es uns jemand gesagt hätte, wir hätten es nicht geglaubt! Aber dieses alles haben wir erst nach vielen schweren Jahren begriffen, und es wird sicher auch in meinen Erinnerungen einen größeren Raum einnehmen. Aber es sind immer neue Erkenntnisse dazu gekommen und ein abschließendes Urteil über diese gemeinsamen Jahre kann erst später gefällt werden.

Jetzt - wir schreiben 1992 - und nachdem wir beide zur Ruhe gekommen sind, - Renten- und Pensionsalter haben dazu beigetragen - will ich also versuchen, Euch einen Einblick zu geben in mich, die dazugehörigen Umstände und damit in mein Leben. Meine Erinnerungen erheben nicht den Anspruch der Objektivität, sondern sind subjektive Erlebnisse und Erfahrungen, die vielleicht sogar von anderen Menschen ganz anders erlebt worden sind. Vieles steht nur noch in Bildern vor mir, ich will versuchen, sie in Worte umzusetzen. Heute bin ich für mein Leben - so wie es war - dankbar, im Nachhinein wird einem die ganze Bewahrung erst klar, die man durch Gott erfahren hat. Allerdings wünschte ich mir, dass ich schon in jüngeren Jahren zum Glauben an Jesus Christus gefunden hätte, vielleicht wäre dann manche Situation für mich besser zu bewältigen gewesen, aber da Gott alle Umwege und Irrwege zugelassen hat, gebe ich mich zufrieden. Ich wünsche Euch ein wenig Vorstellungskraft beim Lesen, ein wenig Hineindenken in die Zeit von vor 1945, eine Welt in Ostpreußen, etwa 800 km von hier entfernt - in Richtung Osten.

 

Bremen, den 18. Januar 1992

Berthold LindemannOrtsamt und Beirat Osterholz haben gemeinsam mit der Geschichtswerkstatt den Beschluss aus dem letzten Jahr jetzt eindrucksvoll umgesetzt: Die Ehrung des im Sommer 2014 verstorbenen Chronisten der langen Osterholzer Geschichte, Berthold Lindemann. Das wunderbare Foto von ihm aus 2013, als er im Rathaus vom damaligen Bürgermeister Jens Böhrnsen das Bundesverdienstkreuz erhielt für seinen jahrzehntelangen Einsatz für seinen Geburtsort sowie für alle Bücher und anderen Veröffentlichungen, die er über Osterholz verfasst hatte, fand jetzt seinen dauerhaften Platz im Sitzungssaal des Ortsamtes an der Osterholzer Heerstraße 100. An dieser Gedenkveranstaltung mit Redebeiträgen von Ortsamtsleiter Ulrich Schlüter und Beiratssprecher Wolfgang Haase sowie vom Sprecher des Fachausschusses für Bildung und Kultur, Horst Massmann, nahmen neben den Verwandten und Freunden des Geehrten auch viele Osterholzer teil, die ihn gekannt haben. Im Anschluss konnte von den Gästen eine Ausstellung mit 8 Tafeln über das Leben und Wirken Berthold Lindemanns auf den Flur des Ortsamtes besichtigt werden. Diese Ausstellung hatten in den letzten Wochen Mitglieder der Geschichtswerkstatt Osterholz geschaffen und aufgebaut. Sie kann noch einige Wochen von den Besuchern des Ortsamtes und von allen Interessierten angeschaut werden. Anschließend wird die Ausstellung in die Melanchthongemeinde wandern, weil Berthold Lindemann sein Leben lang sich auch sehr aktiv für diese erste Kirchengemeinde im Stadtteil sowie für die Bremische Evangelische Kirche eingesetzt hat.